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Ersten Ankündigungen zufolge wollte WhatsApp, der Platzhirsch unter den Messenger-Diensten, zum 08.02.2021 neue geänderte Nutzungsbedingungen einführen. Diesen muss aktiv zugestimmt werden, um die App weiterhin nutzen zu können. Die Änderungen darin haben viele Nutzerinnen und Nutzer sehr verunsichert, Datenschützer und Medien auf die Barrikade gerufen. Aus diesem Grund wurde die Einführung nun schon einmal neu auf den 15.05.2021 verschoben, nicht zuletzt, um Zeit für die Aufklärung zu gewinnen und möglichst keine Kunden zu verlieren.

WhatsApp gehört bekanntlich seit 2014 zu Facebook. Obwohl Facebook immer versichert hat, dass keine Daten von WhatsApp an Facebook zu Werbezwecken übermittelt werden, sollen genau diese Grenzen nun angeblich aufgeweicht werden, bzw. ganz verschwinden. Deshalb besteht die berechtigte Befürchtung, dass sich die Firma über diesen Weg Rechte einholt, die tief in die Privatsphäre von Nutzerinnen und Nutzern reichen.

Ist das überhaupt legitim?

Eines ist klar, auch WhatsApp und Facebook müssen sich an bestehende Gesetze halten. Seit dem 25.05.2018 ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO oder englisch GDPR) der EU in Kraft getreten. Diese zielt u.a. stark darauf ab, insbsondere Nutzerinnen und Nutzer von Dienstleistungen im Internet vor Datenmissbrauch der Anbieter zu schützen. Fehltritte haben sehr hohe Bussgelder zur Folge.

Da WhatsApp und Facebook EU- und Nicht-EU-Länder nicht gesondert, sondern Europa als Ganzes nach geografischen Gesichtspunkten betrachtet, ist die Folge davon, dass den neuen Nutzungsbedingungen in erster Linie die DSGVO zugrunde liegen - auch für die Schweiz.

Deshalb hier die Antwort auf die eingangs dieses Abschnitts gestellte Frage: Ja, solange alles DSGVO-konform ist...

Wenn man der Klarstellung von WhatsApp glauben darf, wird sich mit den neuen Nutzungsbedingungen für den Privatanwender nichts ändern, die Änderungen beschränken sich ausschliesslich auf optionale Unternehmensfunktionen.

Hier ein Auszug aus der Stellungnahme von WhatsApp:
Das ändert sich nicht:
"Die Privatsphäre und die Sicherheit deiner persönlichen Nachrichten und Anrufe ändern sich nicht. Sie sind durch Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geschützt, und weder WhatsApp noch Facebook können sie lesen bzw. anhören. Wir werden diese Sicherheit niemals schwächen oder aufweichen."

Das ändert sich:
"Wir arbeiten daran, über 175 Millionen Menschen, die jeden Tag Nachrichten mit Unternehmen austauschen, besser zu unterstützen. Bei diesen Aktualisierungen geht es um optionale Unternehmensfunktionen. Sie sind Teil unserer breiter angelegten Bestrebungen, die Kommunikation mit Unternehmen für alle sicherer, besser und einfacher zu machen."

Und - ist die Frage nun zufriedenstellend beantwortet?

Die einen sagen, ja dann ist ja gut - und gehen wieder zur Tagesordnung über, die anderen sagen, nein, die können uns ja viel erzählen.

Sicher, es ist nie verkehrt, Nutzungsbedingungen kritisch durchzulesen. Aber ehrlich, wer macht das immer gewissenhaft? Ich nicht wirklich oft, vielmehr klickt man die lästigen Genehmigungs-Aufforderungen an, nur, weil man ja etwas schnell machen wollte und die einen dabei im Moment ungelegen in die Quere kommen...

Aus unserer Sicht wird die Speise nicht so heiss gegessen, wie sie gekocht wurde. Und wenn man sich konsequent dieser Datenhascherei entziehen will, aber dennoch nicht auf Internet und mobile Dienste verzichten möchte, bedarf es aufwändiger Mittel - und man muss einen grossen Bogen um die Big-Player wie Google, Microsoft, Apple, Amazon, usw. (nur, um ein paar davon zu nennen) machen.

Alternativen zu WhatsApp

Dennoch, es gibt natürlich Alternativen - auch zu WhatsApp, wie u.a.:

Threema
Naheliegend ist hier natürlich Threema, eine in der Schweiz entwickelte Anwendung, die WhatsApp sehr nahe kommt, aber sehr grossen Wert auf Sicherheit und Privatsphäre legt. Threema kommt ohne personenbezogenen Daten aus, so dass der Nutzer gegenüber dem Anbieter - hier Threema - anonym bleiben kann. Dies ist kaum bei einem anderen, halbwegs verbreiteten Anbieter der Fall.
Hoccer, auf einer vergleichbaren Phylosophie aufgebauten Messenger hat aufgrund der Covid-19-Pandemie den Betrieb im Mai 2020 einstellen müssen.

Signal
Der Anbieter Signal hat seinen Sitz in den USA und die Nachrichten werden auch, wie bei WhatsApp und Threema, Ende-zu-Ende verschlüsselt. Allerdings stellt der Anbieter der Verschlüsselungstechnik, pen Whisper Systems, keine Datenschutzerklärung auf Deutsch zur Verfügung. Eine Registrierung ist nur unter Angabe der eigenen Telefonnummer möglich, die Eingabe eines Nutzernamens wird zwar verlangt, es werden aber auch Pseudonyme, wie auch die Eingabe von Emojis akzeptiert. Wer den Zugriff auf die Kontakte nicht erlauben möchte, muss die Telefonnummer des Empfängers per Hand eintippen.

Telegramm
Ähnlich wie Signal verhält es sich bei der Registrierung bei Telegram. Ebenso wird keine Datenschutzerklärung auf Deutsch zur Verfügung gestellt. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten nur die "Secret-Chats", die aber extra ausgewählt werden müssen und die nicht für Gruppengespräche zur Verfügung stehen.

Vergleich der 4 Messenger
Einen Überblick über den Funktionsumfang der vier Messenger stellt Threema - vermutlich nicht ganz uneigenützig, aber dennoch interessant - hier zur Verfügung.

Weitere Messenger
Natürlich gibt es noch weitere Anbieter und Messengerdienste, wie Facebook-Messenger, Ginlo, Skype und Wire. Darüber hinaus gibt es auch noch anbieterunabhängige Messengerdienste. Hier handelt es sich um nicht geschlossene Systeme. Das heisst, es können Nachrichten unterschiedlicher Dienste miteinander kommunizieren, ähnlich wie beim E-Mail-Verkehr. Dazu wird zum Austausch von Nachrichten ein Server oder zumindest ein Account auf einem Server und eine passende Messenger-App benötigt. Die Messenger müssen hier allerdings auf dem gleichen Standard-Protokoll aufbauen, meist XMPP oder Matrix. So können Nutzer mit unterschiedlichen Messenger-Apps Nachrichten untereinander austauschen. Basierend auf XMPP gibt es für Android zum Beispiel die Messenger Conversations, Quicksy oder Yaxim, für iOS etwa ChatSecure, Monal oder Siskin. Für Matrix gibt es u.a den Messenger Riot sowohl für Android als auch für iOS.
Die Aufzählung erhebt jedoch nicht den Anspruch der Vollständigkeit.

Wenn Sie WhatsApp "bye-bye" sagen wollen

Falls Sie sich dafür entscheiden, sich von WhatsApp zu verabschieden, sollten Sie beachten, dass es nicht ausreichend ist, die App zu deinstallieren, Sie müssen den Account zuerst löschen!

Bei Android-Geräten gehen Sie wie folgt vor:

  1. Tippen Sie oben rechts auf die drei vertikal angeordneten Punkte (neben der Lupe) und im sich öffnenden Menü auf "Einstellungen"
  2. Im neuen Fenster dann auf "Account"
  3. Dort wiederum auf "Meinen Account löschen"
  4. Danach geben Sie Ihre Telefonnummer ein, mit der Sie bei WhatsApp registriert sind und folgen den weiteren Anweisungen
  5. Anschliessend können Sie die App deinstallieren

Bei Apple-Geräten gehen Sie wie folgt vor:

  1. Tippen Sie unten "Einstellungen" und dann auf "Account"
  2. Danach auf "Meinen Account löschen"
  3. Danach geben Sie Ihre Telefonnummer ein, mit der Sie bei WhatsApp registriert sind, bestätigen mit dem Button "Meinen Account löschen" und folgen den weiteren Anweisungen
  4. Anschliessend können Sie die App deinstallieren

 Unser Fazit

An Alternativen zu WhatsApp mangelt es nicht. Allerdings möchte man ja nicht eine Unmenge an Messenger-Apps installieren müssen, allein schon, weil auf diese Weise bei den meisten Anwendungen auch wieder persönliche Daten an- und somit auch preisgegeben werden müssen und die Unsicherheit, wer damit was und wie anstellt, nur noch grösser wird. Also wird auch in Zukunft die Anwendung die Oberhand behalten, die sich der grössten Beliebtheit erfreut.

 


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